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Fremdgegangen (II): Dann doch lieber Fußball?

Mensch oder Pharmamaschine, zuschauen oder nicht zuschauen? Das ist hier die Frage.

Tja, jetzt ist das Spektaktel also losgegangen, hier in Berlin, und alle hoffen sie auf eine Fortsetzung des 2006er-Sommermärchens, auf die Stimmung in der Stadt, die Euphorie der Fans. Natürlich werden am Sonntagabend alle schauen und berichten, wenn die beiden schnellsten Männer der Welt gegeneinander antreten - und wenn ich zu der Zeit nicht gerade im Zug säße, ich würde es wohl auch tun, diesen Menschen, äh... Muskelprotzen, äh... Pharma-Maschinen bei ihrer zehnsekündigen Leistungsschau zuzuschauen.

Wobei: Vielleicht würde ich es auch nicht tun, so sehr haben mich diese Nachrichten der letzten Tage vor der Leichtathletik-WM wieder, ja, angewidert (Quelle SZ):

"Der Weltverband IAAF muss zugeben, dass in diesem Jahr weder bei einem Athleten in Afrika noch in Russland mittels einer unangekündigten Blutabnahme ein Dopingtest stattfand. ... Auch auf die Sprinter-Insel Jamaika hat sich kein Kontrolleur verlaufen, jedenfalls nicht beim Trainer von Asafa Powell, Stephen Francis. Da mutet der Fund einer Amphetamin-ähnlichen Substanz bei fünf jamaikanischen Sprintern geradezu harmlos an. Die Substanz steht nicht auf offiziellen Dopinglisten und ist auch in Nahrungsergänzungsmitteln zu finden. Die Sprinter werden wohl allesamt starten in Berlin."

-- Dann doch lieber Fußball!

Wobei das dann auch wiederum ziemlich inkonsequent wäre.

Wer sagt denn, das beim Fußball alles mit rechten Dingen zugeht? Jajaja: Die Ausreden, dass es beim Fußball ja nur auf Spielintelligenz, Kreativität und das Passspiel der Mannschaft ankomme und dass Doping dabei nichts bringen würde, die kennen wir. Aber: "Wieso sollen also ein Blutaustausch oder ein paar geschickt gesetzte Ampullen Epo oder Cera nur einem Biathleten oder einem Radfahrer, nicht aber einem Fußballer helfen?", fragt Fritz Sörgel - einer der bekanntesten Dopingexperten Deutschlands - im März im Tagesspiegel wahrscheinlich zurecht. Und weiter: "Dem pharmakologisch ausgesprochenen Befehl durch diese Stoffe würde jeder Körper gehorchen, mit postwendend mehr Sauerstofflieferung in die Muskeln, mit denen ausdauernde – sprich weniger trainingsfleißige – Sportler schneller und länger rennen."

Entziehen kann man sich dieser Logik kaum. Und nur weil es etwa in der Bundesliga noch nicht die ganz großen, spektakulären Doping-Fälle wie in der Leichtathletik gegeben hat - sagt das etwas aus? (Siehe dazu auch dieses ausgezeichnete Dossier auf "Welt-Hertha-Linke".)

So bleibt am Ende doch die Inkonsequenz. Die Leichtathletik-WM werde ich mir wohl anschauen. Wenn auch irgendwie mit schlechtem Gewissen.



Bild: Flickr.com/richardgiles, veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz.
Veröffentlicht von Florian Neuhann um 12:14:32 am 15.08.2009 in Rubrik "Abseits - alles neben dem Platz"
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