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Frisch ausgelesen (II): Die Gräber der Götter

Cover - (c) Verlag Die Werkstatt

Die Leute schreiben ja Bücher über die absonderlichsten Themen. Über ihren privaten Pilgerweg zum Beispiel, über ihre Ansichten nach mehreren Monaten Privatfernsehen, über ihr ach so schreckliches Aufwachsen in einem linken Milieu – undsoweiter undsofort. Nicht immer ist das alles so wahnsinnig spannend oder irgendwie besonders. Anderes dagegen, abseits der Bestsellerlisten, dafür umso mehr.

Ein Kollege hatte mich zum Beispiel auf dieses Buch hier aufmerksam gemacht: „Die Gräber der Götter“ heißt es, und man kann sich nur ausmalen, was dahinter wohl für eine irrsinnige Recherchearbeit steckt.
Edgar Wangen hat sich für das Buch auf die Suche gemacht nach den Gräbern der großen Fußballstars des 20. Jahrhunderts, von George Best bis Sepp Herberger, vom Schweden Orvar Bergmark zum Österreicher Walter Zeman. Allein schon für die Idee zu diesem Buch und seine Recherche hätte Wangen mindestens einen Preis verdient.

Entstanden sind tolle Bilder. Und ein Buch, durch das man gerne blättert, abends im Sessel, wenn man selbst gerade mal nicht Fußball spielt oder schaut. Es gibt viel zu entdecken: Das Grab vom legendären George Best etwa auf einem Friedhof in Belfast, das vor Blumen nur so überquillt. Das sachlich gehaltene von Helmut Schön auf dem Wiesbadener Nordfriedhof. Das Grabmal von Ferenc Puskás (Kapitän der ungarischen WM-Elf von 1954) in der Budapester St.-Stephans-Basilika – schlicht, mit goldenem Schriftzug, dem Namen und Geburts- sowie Todesjahr.
Viele, wie etwa Lothar Emmerich, Ernst Happel oder Werner Liebrich, sind einfach bei den Eltern begraben. Und bei den wenigsten wird überhaupt auf dem Grab verraten, dass es sich einst um große Fußballstars gehalten hat – wie es die Angehörigen von Rudi Brunnenmeier etwa getan haben. Auf seinem Grabstein steht: „Kapitän der Fußballnationalmannschaft, Europacup-Finalist im Wembleystadion und Torjäger der Münchner Löwen.“

Für seine Recherche war Wangen war in Schweden wie in Moskau, in Schottland wie in Spanien: Gräber großer Fußballgötter hat er überall gefunden – und sie schön fotografiert. Schade nur, dass die Texte demgegenüber doch deutlich abfallen. Es sind kurze Lebensbeschreibungen der Fußballer geworden; nicht uninteressant, aber auch nicht sonderlich originell – und leider auch für meinen Geschmack etwas am Thema vorbei.
Wie gern hätte man mehr erfahren über die Recherche, über die Reise zu den Gräbern, über die Friedhöfe an sich! Wer pflegt die Gräber, wer sorgt dafür, dass die hier Begrabenen nicht in Vergessenheit geraten? Woran erinnert man sich gern – woran eher weniger? Sind es die Vereine, die für die Grabpflege sorgen, sind es die Enkel, sind es die Fans?
Manchmal blitzt so etwas auf, etwa als es um Werner Liebrich, einen der Weltmeister von 1954 geht: Dessen Grab, schreibt Wangen, liegt in unmittelbarer Nähe der Gräber von Werner Kohlmeyer und Fritz Walter, auf dem Kaiserslauterer Hauptfriedhof, Sektor Kiefernhain. Und im Vergleich mit dem riesigen Grab Fritz Walters – das offenbar noch heute regelmäßig mit Blumen bestückt wird – fallen die beiden anderen deutlich ab.
Einen „Beitrag gegen das Vergessen der Großen des europäischen Fußballs“ will Edgar Wangen mit seinem Buch leisten, schreibt er im Vorwort. Und trotz mancher Abstriche: das ist ihm gelungen, mit diesem Schmöker für Fußballgeschichtsbegeisterte.

Edgar Wangen: Die Gräber der Götter. Fußballhelden und ihre letzte Ruhestätte. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2009.

... und hier geht's zu "Frisch ausgelesen (I): Die Biographie von Jürgen Klinsmann"
Veröffentlicht von Florian Neuhann um 17:47:38 am 08.09.2009 in Rubrik "Das Fundstück"
Kommentare
Andy schreibt:
Ich muss sagen einen collen Namen hat da Buch ja ;-)
Andy | Website |10.09.2009 - 17:03
Florian schreibt:
Definitiv. Der Titel ist großartig.
Florian | Website |10.09.2009 - 19:38
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