Kommentare zum 3. Spieltag: Es ziehen dunkle Wolken über dem FC Bayern auf...
Es ist derzeit wie zu Beginn der Achtziger, als Magath, Beckenbauer, Hrubesch, Hamburg und Bayern den deutschen Fußball dominierten. Magath sorgt auf Schalke für Furore, Beckenbauer bestimmt den Anti-Bayern Diskurs, Hrubesch puscht die Fußballjugend und Hamburg und Bayern beherrschen die spielerischen Schlagzeilen. Der einzige Unterschied: Der HSV ist (wieder) eine Spitzenmannschaft, der FC Bayern möchte sich (offensichtlich) davon verabschieden. Dies sind dann auch die beiden Themen, die die Kommentatoren des deutschen Blätterwaldes beschäftigen: Ist der HSV wirklich so gut? Und warum ist der FC Bayern so schlecht?
Die interessanteste Erkenntnis beim Lesen der Zeitungen ist: Die Artikel sind nicht locker, fröhlich und humorvoll geschrieben, also kein Vergleich mit dem letzten Spieltag. Ein erstes Indiz dafür, dass sich die Bayern in einer ernsten Situation befinden. In den Sportteilen unser Zeitungen wird fieberhaft nach einem Grund für das schlechte Abschneiden gesucht.
Begründungsvorschlag Nummer 1: Van Gaal.
Jürgen Schmieder betont in der SZ:
In der Tat sprechen die Fakten überraschend deutlich gegen van Gaal und die Bayern-Vorstände, die bei seiner Vorstellung noch geprahlt hatten, einen Mann von internationale Klasse geholt zu haben. 3 Spieltage später fällt auf, dass van Gaal vor 14 Jahren die Champions League gewann, vor 17 den Uefa-Cup und vor zehn Jahren den spanischen Meistertitel. Haben die Bayern Bosse seine Vita falsch gelesen? Und warum haben sie nicht Udo Latteck gefragt?
Begründungsvorschlag Nummer 2: Van Gaal.
Nachdem van Gaal bereits nach dem 3. Spieltag Selbstkritik übte („ich muss härter und besser arbeiten"), ist es ein leichtes Spiel für die Presse, seine Fehler aufzuzählen:
Christian Eichler, FAZ:
Klingt einleuchtend, oder?
Begründungsvorschlag Nummer 3: Der Vorstand.
Ich verstehe nicht, weshalb der Bayern-Vorstand nicht in der Lage ist, seinen Sommerurlaub vernünftig zu planen. Jürgen Klinsmann wurde ein halbes Jahr vor Dienstantritt verpflichtet. Dennoch verfehlten es die Bayern damals, die Vorbereitungszeit vernünftig zu nutzen und legten unter anderem deshalb einen schlechten Saisonstart hin. Van Gaal wurde ebenfalls rechtzeitig angestellt und wieder wird es offensichtlich, dass die Bayern schlicht noch nicht so weit wie andere Mannschaften sind. Was machen die Münchener also im Sommer?
Lars Spannagel im Tagesspiegel:
Begründungsvorschlag Nummer 4: Der Vorstand.
Die Bayerische Personalplanung ergibt einfach keinen Sinn bzw. zeugt von Faulheit: Seit Michael Ballack ist die Rolle des zentralen Mittelfeldmotors vakant, der lange absehbare Weggang von Oliver Kahn wurde schlicht verschlafen, die Abwehr der Bayern ist keine Abwehr im eigentlich Sinne des Wortes und die einzige Stärke der vergangenen Saison, die linke Achse, wurde verkauft (Ze Roberto), versetzt (Lahm) oder verärgert (Ribery). Deshalb gebe ich Klaus Höltzenbein in der Süddeutschen völlig recht:
Nun zum HSV. Phillip Köster (es ist übrigens immer gut, wenn bei Spiegel Online die eigenen Redakteure die Feder liegen lassen…) lobt den HSV, und das völlig zu Recht:
Wer das Sonntagsspiel dieser beiden vor Kraft strotzenden Mannschaften aus Hamburg und Wolfsburg gesehen hat, der kann den Gedanken nicht verheimlichen, dass einer der beiden Nordlichter am Ende die Schale hochhält. Die Bundesliga hat somit wieder das Nord-Süd Gefälle aus den Achtzigern, nur eben umgekehrt. Das mag daran liegen, dass sich in den letzten 25 Jahren in der Bundesliga vieles, bzw. gar nichts geändert hat: Noch immer ist die bayerische Führungsriege Hoeneß, Beckenbauer und Rummenigge aktiv. Vielleicht sollten sie mal ausgetauscht werden.
P.S.: Marcel Reifs Gedanken im Tagesspiegel sind irrelevant. Sein Kommentar wird offensichtlich am Donnerstag abend verfasst, also zu einem Zeitpunkt, an nichts sinnvolles über einen Spieltag gesagt werden kann. Das Ergebnis: 349 Wörter ohne neue Erkenntnis. Der Tagesspiegel am Sonntag braucht in Zukunft nicht mehr gesichtet werden.
Bild: Flickr.com/nicholas macgowan, veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz.
Es ist derzeit wie zu Beginn der Achtziger, als Magath, Beckenbauer, Hrubesch, Hamburg und Bayern den deutschen Fußball dominierten. Magath sorgt auf Schalke für Furore, Beckenbauer bestimmt den Anti-Bayern Diskurs, Hrubesch puscht die Fußballjugend und Hamburg und Bayern beherrschen die spielerischen Schlagzeilen. Der einzige Unterschied: Der HSV ist (wieder) eine Spitzenmannschaft, der FC Bayern möchte sich (offensichtlich) davon verabschieden. Dies sind dann auch die beiden Themen, die die Kommentatoren des deutschen Blätterwaldes beschäftigen: Ist der HSV wirklich so gut? Und warum ist der FC Bayern so schlecht?Die interessanteste Erkenntnis beim Lesen der Zeitungen ist: Die Artikel sind nicht locker, fröhlich und humorvoll geschrieben, also kein Vergleich mit dem letzten Spieltag. Ein erstes Indiz dafür, dass sich die Bayern in einer ernsten Situation befinden. In den Sportteilen unser Zeitungen wird fieberhaft nach einem Grund für das schlechte Abschneiden gesucht.
Begründungsvorschlag Nummer 1: Van Gaal.
Jürgen Schmieder betont in der SZ:
„Mit dem 1:2 in Mainz hat van Gaal viel Kredit verspielt. Der Verein braucht einen Trainer, der nicht vor 14 Jahren die Champions League gewann, sondern in dieser Saison einen Titel holt.“
In der Tat sprechen die Fakten überraschend deutlich gegen van Gaal und die Bayern-Vorstände, die bei seiner Vorstellung noch geprahlt hatten, einen Mann von internationale Klasse geholt zu haben. 3 Spieltage später fällt auf, dass van Gaal vor 14 Jahren die Champions League gewann, vor 17 den Uefa-Cup und vor zehn Jahren den spanischen Meistertitel. Haben die Bayern Bosse seine Vita falsch gelesen? Und warum haben sie nicht Udo Latteck gefragt?
Begründungsvorschlag Nummer 2: Van Gaal.
Nachdem van Gaal bereits nach dem 3. Spieltag Selbstkritik übte („ich muss härter und besser arbeiten"), ist es ein leichtes Spiel für die Presse, seine Fehler aufzuzählen:
Christian Eichler, FAZ:
„Aber er hat Lucio weggeschickt, Badstuber aus dem B-Team geholt, Rensing ins Tor gestellt - und so die Defensive in einen Wackelpudding verwandelt. Und die beiden, die van Gaal aus der niederländischen Liga holte, Braafheid und Pranjic, haben bisher nicht gezeigt, warum. Van Gaal vor vier Wochen: „Bei mir tun die Spieler, was ich will.“ Van Gaal vor vier Tagen: „Ich handle nie gegen den Willen eines Spielers.“ Selbst die Kleiderordnung zeigt den Wankelmut. Erst saß er mit Bayern-Trikot auf der Bank, optisch nah bei den Spielern; nun, in Mainz, im grauen Anzug, ein Abbild der Klubbosse. Die Liga ist bunt, nur der FC Bayern in dieser Saison früh ergraut.“
Klingt einleuchtend, oder?
Begründungsvorschlag Nummer 3: Der Vorstand.
Ich verstehe nicht, weshalb der Bayern-Vorstand nicht in der Lage ist, seinen Sommerurlaub vernünftig zu planen. Jürgen Klinsmann wurde ein halbes Jahr vor Dienstantritt verpflichtet. Dennoch verfehlten es die Bayern damals, die Vorbereitungszeit vernünftig zu nutzen und legten unter anderem deshalb einen schlechten Saisonstart hin. Van Gaal wurde ebenfalls rechtzeitig angestellt und wieder wird es offensichtlich, dass die Bayern schlicht noch nicht so weit wie andere Mannschaften sind. Was machen die Münchener also im Sommer?
Lars Spannagel im Tagesspiegel:
„Dass der Trainer in Mainz zwei Spieler schon vor der Pause auswechselte, zeigt,
dass man in München noch lange nicht so weit ist.“
dass man in München noch lange nicht so weit ist.“
Begründungsvorschlag Nummer 4: Der Vorstand.
Die Bayerische Personalplanung ergibt einfach keinen Sinn bzw. zeugt von Faulheit: Seit Michael Ballack ist die Rolle des zentralen Mittelfeldmotors vakant, der lange absehbare Weggang von Oliver Kahn wurde schlicht verschlafen, die Abwehr der Bayern ist keine Abwehr im eigentlich Sinne des Wortes und die einzige Stärke der vergangenen Saison, die linke Achse, wurde verkauft (Ze Roberto), versetzt (Lahm) oder verärgert (Ribery). Deshalb gebe ich Klaus Höltzenbein in der Süddeutschen völlig recht:
„Die Bayern ziehen jetzt auch in die Champions League mit folgender Besetzung ein: einem notorisch orientierungsarmen van Buyten, dem in der Vorsaison fahrigen, derzeit verletzten Martin Demichelis, dem sündteuren Brasilien-Talent Breno, dem unerfahrenen Nachwuchsspieler Holger Badstuber sowie dem für einen Innenverteidiger vermutlich zu kleinen Edson Braafheid (1,76 m). Dahinter steht in Michael Rensing jener stets neu in Frage gestellte Oliver-Kahn-Nachfolger, an dem sich die Kritik durch seinen Fehler von Mainz wieder verstärkte. An diesem Personaltableau ist nun nicht mehr viel zu korrigieren. Mit diesem Tableau aber, dazu bedarf es keiner prophetischen Gabe, wird jedes Spiel zum unkalkulierbaren Abenteuer.“
Nun zum HSV. Phillip Köster (es ist übrigens immer gut, wenn bei Spiegel Online die eigenen Redakteure die Feder liegen lassen…) lobt den HSV, und das völlig zu Recht:
„Der Hamburger SV ist in bestechender Form - das hat der überzeugende Sieg in Wolfsburg gezeigt. Die Mannschaft hat alle Chancen, in diesem Jahr um die Meisterschaft zu spielen.“
Wer das Sonntagsspiel dieser beiden vor Kraft strotzenden Mannschaften aus Hamburg und Wolfsburg gesehen hat, der kann den Gedanken nicht verheimlichen, dass einer der beiden Nordlichter am Ende die Schale hochhält. Die Bundesliga hat somit wieder das Nord-Süd Gefälle aus den Achtzigern, nur eben umgekehrt. Das mag daran liegen, dass sich in den letzten 25 Jahren in der Bundesliga vieles, bzw. gar nichts geändert hat: Noch immer ist die bayerische Führungsriege Hoeneß, Beckenbauer und Rummenigge aktiv. Vielleicht sollten sie mal ausgetauscht werden.
P.S.: Marcel Reifs Gedanken im Tagesspiegel sind irrelevant. Sein Kommentar wird offensichtlich am Donnerstag abend verfasst, also zu einem Zeitpunkt, an nichts sinnvolles über einen Spieltag gesagt werden kann. Das Ergebnis: 349 Wörter ohne neue Erkenntnis. Der Tagesspiegel am Sonntag braucht in Zukunft nicht mehr gesichtet werden.
Bild: Flickr.com/nicholas macgowan, veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz.
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