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Das Kaufverbot des FC Chelsea - oder: Neulich bei Oligarchens


Pelorus - die Yacht des Roman Abramowitsch.

Neulich, bei Oligarchens auf der Yacht.
Der Wind bläst, die Wellen schwappen gegen die Außenwand. Es regnet. Das war's wohl mit dem Sommer, hier vor der englischen Küste.
Roman A. und seine Freundin Darja sitzen beim Abendtisch zusammen, ein Diener bringt geschmorte Wachtel.
„Wünschen der Prinzipal noch etwas?“, fragt er untertänig.
„Ruhe!“, herrscht ihn der Oligarch an. Eilig zieht der Diener sich zurück.
Für ein paar Minuten ist es tatsächlich ruhig, nur der Regen trommelt auf das Deck. Darja und Roman stochern lustlos in ihrem Abendessen.
Die Wachtel war auch schon mal besser.
„Du, Schatz“, setzt Darja plötzlich an.
Roman blickt nicht einmal auf, sie spricht trotzdem weiter.
„Es gibt da dieses Gemälde auf dem Markt, ich weiß nicht mehr, ein Van Gogh, ein Munch, ein Rauch, keine Ahnung, aber es sieht soooo schön aus…“
Der Oligarch schweigt. Nimmt einen Happen Wachtel zu sich. Spuckt ihn wieder aus.
„Ich könnte es ersteigern, für den Südflügel! Oder wir hängen es hier auf in unserer Pelorus-Yacht! Da ist doch noch was frei, in der Kapitänskajüte vielleicht?“
Doch - Oligarchen können lange schweigen. Wieder herrscht Ruhe, minutenlang.

„Schatz, ist was?“, fragt Darja.
Sie will schon zu ihm eilen, da explodiert er plötzlich.
„Nichts kaufst Du, verstanden! Hier wird nichts mehr ausgegeben! Von mir kriegst Du nichts mehr zu hören, außer NJET!“
Er macht eine Pause.
„Verstehst Du: Kaufverbot!!“
Nein, sie versteht nichts.
Kaufverbot?
„Aber…“
„Nichts aber! Ich kann kaufen den Ronaldo, den Ronaldinho oder auch den Rolando, egal! Sage mir einen Namen, ich kann ihn kaufen!“
Darja nickt beflissen. „Und wo ist das Problem?“
„Ich darf nicht mehr kaufen! Hat Fifa so gesagt! Und deshalb darfst Du jetzt auch nicht mehr!“
Jetzt bricht sie fast in Tränen aus.
Nichts mehr kaufen dürfen.
Was soll sie dann nur anfangen mit ihrem Leben?
Der Regen draußen wird lauter. Was machen Sie nur hier, auf dieser blöden Insel. Sollen Sie doch zurückgehen nach Russland. Oder in die USA. Und dann erst dieser blöde Fußball! Davon wird ihr Roman noch ganz krank, denkt Darja. Und sie selbst erst recht. Ohne die Kreditkarte und ohne seine Milliarden ist das Leben doch nichts mehr wert. 


Doch auf einmal hellt sich ihr Gesicht auf.
„Roman“, sagt sie. „Ich habe eine Idee.“
Und Roman hört ihr zu, erst unwillig, dann immer begeisterter.
Und schickt schließlich ein Fax los.

Fünf Stunden später melden seine Diener Vollzug. Sie reichen ihm die Abendausgabe der Times herein. Als Roman die Schlagzeile liest, kann er schon wieder lächeln.
„Abramowitsch kauft Fifa!
Russischer Milliardär übernimmt Weltfußballverband – Blatter entsetzt – Kaufverbot für Chelsea damit außer Kraft – Abramowitsch: Werde jeden aufkaufen, der sich mir in den Weg stellt!“

 

 

Hintergrund der Geschichte: die Meldung hier, ein Kommentar hier.
Bild: Flickr.com/caspermoller, veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz.

Veröffentlicht von Florian Neuhann um 16:06:34 am 04.09.2009 in Rubrik "Der Steilpass"
Kommentare
Vorstopper Falk schreibt:
Den Bericht haben mir als kurzfristiger Außenkorrespondent in Moskau gewöhnlich gut unterrichtete Kreise bestätigt. Ich habe hohe FIFA-Funktionäre mit ihren X5, Q7 und ML vor A's Siebtvilla vorfahren sehen. Sie hatten schlecht verpackte Kuckucksuhren als Geschenke dabei. Viele Grüße aus Astana, wo es keinen Fußballplatz zu geben scheint. Ich suche weiter.
Vorstopper Falk | Website |06.09.2009 - 20:13
Daniel schreibt:
Hahahaha geil!
Daniel | Website |07.09.2009 - 14:59
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