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"Leider kann Berti sich nicht so gut verkaufen"

Ein Herz für Berti!

Heute habe ich mich tatsächlich dabei ertappt: ich hatte Mitleid mit Berti Vogts.

- Ja, ich weiß, klingt blöd irgendwie, aber für seine Gefühle kann man ja schließlich nichts. Es war die Vormittagskonferenz bei uns im Büro, als die Kolleginnen fragten, was denn das für ein Länderspiel sei, gegen wen wir spielen würden und warum. Gegen Aserbaidschan, sagte ich, WM-Quali, und dass bei denen ja Berti Vogts auf der Trainerbank sitzen würde, der habe ja übrigens auch immer gesagt, dass es keine Kleinen mehr...
Doch soweit kam ich gar nicht. Statt einer Antwort nur Gelächter, und dann ungläubiges Nachfragen: Unser Bundes-Berti jetzt in Aserbaidschan?
Jajaja, beeilte ich mich zu sagen, und Kollegin S. begann den alten Raab-Song vom "Bundes-Böörti" zu singen, während das Protokoll ansonsten allgemeine Heiterkeit verzeichnete.

Gut, und in dem Moment, da hatte ich wirklich etwas Mitleid mit Vogts. Acht Jahre lang war der Mann unser Bundestrainer - und das einzige, was in der Laien-Öffentlichkeit hängen bleibt, ist die Veralberung durch einen TV-Moderator?
Nein - bei aller Kritik: Dass er hierzulande nur noch als Witzfigur erinnert wird, das hat der Terrier beim besten Willen nicht verdient. Immerhin ist er doch mit einer fußballerisch mittelmäßig begabten Mannschaft 1996 Europameister geworden. Und mit dem DFB-Team 1998, da wäre selbst ein **bitte hier Namen für Super-Trainer einsetzen** im Viertelfinale gescheitert.
Schließlich: Verglichen mit so manch einem, der danach kam (Ribbeck!) war Vogts der schlechteste nicht.
Das muss jetzt aber auch mal festgehalten werden. So!

PS: Wahrscheinlich hat Uli Stein - Vogts jetziger Torwarttrainer in Aserbaidschan - schlicht recht mit seiner Aussage heute in dem lesenswerten Interview, das die taz mit ihm geführt hat:
 
"Leider kann sich Berti nicht so gut verkaufen, sonst wäre er meiner Meinung nach ein richtig großer Coach."



Bild: Flickr.com/PhyrePh0X, veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz.
Veröffentlicht von Florian Neuhann um 21:35:29 am 11.08.2009 in Rubrik "Der Steilpass"
Kommentare
Florian Wichelmann schreibt:
Völlig richtig, Berti ist irgendwie eine tragische Figur. Günter Netzer und Hennes Weisweiler haben ihre Streitereien ja auch immer via Berti Vogts ausgetragen, sogar wenn sie zu dritt nebeneinander auf dem Platz standen. Nach dem Motto: "Berti, kannst Du deinem Kapitän sagen, dass er mehr laufen muss?" und dann Netzer "Berti, kannst Du deinem Trainer sagen, dass ich gar nicht laufen kann..." oder so ähnlich. Jedenfalls scheint Berti Vogts fußballerisch, als Spieler und als Trainer, eine große Nummer zu sein. Nur die Presse mag ihn nicht. Klinsmann beispielsweise schwört auf Berti Vogts. Er machte ihn zum Kapitän und vermittelte den Bundestrainerposten, Klinsmann wollte ihn als Trainer mit in den DFB holen. Man sollte ein Buch schreiben: "Berti Vogts - das verkannte Genie"
Florian Wichelmann | Website |12.08.2009 - 20:11
Jannik Sorgatz schreibt:
Berti Vogts hat uns als Trainer vor allen Dingen den letzten großen Titel verschafft. 13 Jahre warten wir jetzt schon. Eine derart lange Durststrecke gab's zuletzt zwischen '54 und '72. Immerhin hat er Otto Nerz, Erich Ribbeck, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und Jogi Löw also etwas voraus.
Jannik Sorgatz | Website |14.08.2009 - 12:36
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